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Versetzung in den Ruhestand

Mit 31. Dezember 2011 trat Generaldirektor Honorarprofessor Dr. Lorenz Mikoletzky in den dauernden Ruhestand.

Lorenz Mikoletzky wurde am 12. Mai 1945 in Wien geboren. Nach Absolvierung der Hochschulstudien an der Universität Wien im Jahre 1969 trat er in den Dienst des Österreichischen Staatsarchivs. Er begann seine Laufbahn in der Abteilung Finanz- und Hofkammerarchiv, wechselte danach in das Allgemeine Verwaltungsarchiv und wurde am 1. Februar 1991 zum Direktor dieser Abteilung ernannt. Ab 1. Juli 1994 war er Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs und Leiter des Archivamtes.

Generaldirektor Dr. Mikoletzky

In seine Amtszeit als Generaldirektor fiel wohl der umfassendste Wandel des archivarischen Berufsbildes seit langer Zeit. Die Aktenwelt wandelte sich von analog zu digital. Mit der 2011 - im letzten Jahr der Amtszeit Mikoletzkys als Generaldirektor - erfolgten Einführung des Digitalen Langzeitarchivs Österreich ist das Österreichische Staatsarchiv auch für die digitale Zukunft bestens gerüstet.

Im Jahr 1998 wurde Lorenz Mikoletzky zum stellvertretenden Vorsitzenden der Österreichischen Historikerkommission berufen. Über viele Jahre beherbergte er im Österreichischen Staatsarchiv das Sekretariat dieser Kommission, deren Aufgabe es war, den gesamten Komplex „Vermögensentzug auf dem Gebiet der Republik Österreich während der NS-Zeit sowie Rückstellungen bzw. Entschädigungen (sowie wirtschaftliche und soziale Leistungen) der Republik Österreich ab 1945” zu erforschen und darüber zu berichten. Die Forschungsergebnisse der Kommission wurden in 49 Bänden publiziert und stellen einen eindrucksvollen Leistungsnachweis dar.

Während seiner Direktion wurde im Jahre 2000 das Bundesarchivgesetz, das die Aufgaben und Zuständigkeiten, aber vor allem die Abgabepflicht von Schriftgut an das Österreichische Staatsarchiv reglementierte, ausgearbeitet und in Kraft gesetzt. Ebenfalls in die Amtszeit Mikoletzkys fiel die Renovierung des denkmalgeschützten Archivgebäudes am Wiener Minoritenplatz, das das Haus-, Hof- und Staatsarchiv, eine Abteilung des Österreichischen Staatsarchivs, beherbergt.

Den hervorragenden internationalen Kontakten Mikoletzkys und seinem Verhandlungsgeschick verdankt das Österreichische Staatsarchiv auch die Restituierung jener Akten österreichischer Herkunft, die von der sowjetischen Armee während und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Moskau verbracht wurden.

Ein großer beruflicher und persönlicher Erfolg muss es für Lorenz Mikoletzky aber gewesen sein, dass es ihm gelang, den 15. Internationalen Archivkongress im August 2004 nach Wien zu holen und damit auch das österreichische Archivwesen in den Mittelpunkt des globalen Interesses zu rücken. Für vier Jahre, von 2004 bis 2008, amtierte Lorenz Mikoletzky als Präsident des Internationalen Archivrates und war während dieser Zeit, neben seiner Funktion als Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs, zugleich zentrale Schaltstelle für die internationale Archivwelt.

Lorenz Mikoletzky veröffentlichte eine Fülle an wissenschaftlichen Werken. Forschungsschwerpunkte sind Franz Grillparzer, die Geschichte Österreichs ab dem 17. Jahrhundert, aber auch Kunst und Literatur in Österreich. Er ist Träger höchster nationaler und internationaler Auszeichnungen, u. a. des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse sowie des französischen Ordre des Arts et des Lettres.

Lorenz Mikoletzky ist in einer Vielzahl wissenschaftlicher Kommissionen und Vereine tätig und u. a. Mitglied der Kommission für die Geschichte der Habsburgermonarchie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Vorstandsmitglied der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs. Er ist Lehrender an der Universität Wien und verschiedenen Volkshochschulen und Preisträger des Förderpreises des Theodor Körner-Stiftungsfonds zur Förderung der Wissenschaft und Kunst sowie des Förderpreises der Stadt Wien auf dem Gebiete der Volksbildung.

Dem langjährigen Generaldirektor unseres Hauses danken wir herzlichst für seine Tätigkeit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Österreichischen Staatsarchivs wünschen ihm Gesundheit und Zeit, seinen Interessen nunmehr vermehrt nachgehen zu können. Möge er dem Staatsarchiv noch lange Zeit mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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