Alarmplan - Das Palais am Ballhausplatz als Festung
Am 25. Juli 1934 war es den nationalsozialistischen Putschisten ein Leichtes gewesen, als Bundesheersoldaten getarnt in das Gebäude des Bundeskanzleramtes zu gelangen. Bei der darauf erfolgten Erstürmung der Amtsräume fand Bundeskanzler Dollfuß den Tod.
Aus den Erfahrungen des Juli 1934 resultierten die im Bundeskanzleramt unter Führung des Geheimdienstchefs Ronge im September 1935 angestellten Überlegungen mit dem Ziel, im Fall eines neuerlichen Putschversuchs nicht unvorbereitet zu sein und etwaigen Angreifern bewaffnet entgegen treten zu können.
Als ein Mittel hierzu wurde die Idee geboren, für das Personal der Dienststelle Ronges, nämlich der Evidenz des Staatspolizeilichen Büros, – „durchwegs kriegserprobte Offiziere des Ruhestandes und der Reserve“ – Waffen in den Diensträumen griffbereit aufzubewahren. Neben anderen Waffen sollten ein leichtes Maschinengewehr und 20 Handgranaten der Abwehr eines etwaigen Angriffes dienen.
Das Archivale zählt zu jenen Akten, die 2009 durch die Russische Archivverwaltung aus dem Sonderarchiv Moskau an das Österreichische Staatsarchiv zurückgestellt wurden. Amtliche deutsche und Parteidienststellen der NSDAP hatten seit dem März 1938 erhebliche Mengen an Schriftgut des Ständestaates, von Vereinen, privaten Organisationen und Einzelpersonen eingezogen. Dieses Schriftgut gelangte später über das Reichssicherheitshauptamt Berlin nach Moskau, nachdem es bei Kriegsende in einem Auslagerungsort in Schlesien von der Roten Armee erbeutet worden war.
ÖStA, AdR, Moskauer Akten, 515-1-34 Bundeskanzleramt (vorläufiges Zitat)
Rudolf Jeřábek
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