25.11.2010
Gabriele Heinisch-Hosek: "Zwangsheirat hat in unserer Gesellschaft nichts verloren"

Frauenministerin startet neue Projekte, die Opfer von Zwangsheirat unterstützen sollen

"Zwangsheirat hat in unserer Gesellschaft nichts verloren und ist eine Form der Gewalt, die nicht zu tolerieren ist", sagte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek anlässlich des heutigen Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen. Sie nutze nun die folgenden 16 Tage gegen Gewalt, um ein deutliches Zeichen gegen Zwangsheirat in Österreich zu setzen.

"Leider werden auch in Österreich viele junge Mädchen und Frauen zu einer Zwangsheirat gezwungen", so die Ministerin. Expertinnen und Experten schätzen, dass jährlich um die 200 Mädchen und junge Frauen von Zwangsheirat betroffen sind. Und das, obwohl Zwangsheirat unter Strafe stehe und bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft drohten. Das scheine viele Familien aber nicht davon abzuschrecken, ihre Töchter zur Heirat zu zwingen. Gründe dafür gebe es viele: kulturelle Wertvorstellungen, innerfamiliärer Druck, der auf den Eltern lastet, Druck der eigenen Gemeinschaft, aber auch wirtschaftliche Gründe - etwa durch ein möglichst hohes Brautgeld oder die Absicht der Eltern, ihre Töchter durch Zwangsheirat materiell abzusichern, schildert die Ministerin.

"Das ist eine gravierende Menschenrechtsverletzung, bei der wir nicht wegschauen dürfen", sagte Heinisch-Hosek. Daher starte sie auch zwei konkrete Projekte, um diesen Mädchen zu helfen. Einerseits werde sie ein Ausbildungsprogramm für junge Frauen, die selbst von Zwangsheirat bedroht oder betroffen waren, unterstützen, damit diese wiederum anderen potentiellen Opfern in ihrem Umfeld helfen können. Und andererseits werde eine neue Initiative für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren finanziert, um Lehrerinnen und Lehrer, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie Jugendbetreuerinnen und Betreuer ebenso Familienrichterinnen und Richter darin zu schulen, Zwangsheirat zu erkennen, besser zu verstehen und damit umzugehen.

"Alle Menschen, die bei uns leben, müssen sich an die Spielregeln halten. Und das heißt auch, dass jede Frau und jeder Mann sich aus freiem Willen zu einer Heirat entscheidet", so Heinisch-Hosek zum Schluss.

Rückfragehinweis:
Mag. Dagmar Strobel
Pressesprecherin der
Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek
Tel.: +43 1 531 15-2149
dagmar.strobel@bka.gv.at