01.06.2010
Werner Faymann: "Schacher der ÖVP ist unerträglich" (in "Kleine Zeitung")

Kleine Zeitung: Nach jeder Wahl müssen Sie erklären, warum die SPÖ wieder ein Minus hat. Nervt das nicht?

Werner Faymann: Na ja, wenn ich nach jeder Wahl 49 Prozent erklären muss, soll mir im Leben nichts Schrecklicheres mehr passieren. Wenn ich in der Steiermark solche Prozentsätze hätte, wäre ich hoch zufrieden.

Kleine Zeitung: War es ein Fehler, nur auf die Innere Sicherheit zu setzen?

Faymann: Das Thema ist Niessl aufgedrängt worden. Niessl hat Eberau nicht erfunden.

Kleine Zeitung: Und der Assistenzeinsatz?

Faymann: Eine Befragung der Innenministerin hat ergeben, dass 80 Prozent den Einsatz begrüßen. Wenn jemand, der sich für die Menschen einsetzt, als Populist bezeichnet wird, ist jeder, der in der Demokratie Rücksicht auf Menschen nimmt, ein Populist.

Kleine Zeitung: Das klingt nach Jörg Haider?

Faymann: Nach Haider? Es geht bei dem Einsatz auch um die Prävention. Wie viel Prävention bringt, ist eine schwierige Rechnung. Das kenne ich aus dem Gesundheitsbereich. Was bringt die Vorsorgeuntersuchung? Das kann man nicht auf die Kommastelle genau messen.

Kleine Zeitung: Wird es in der Regierung ruppiger werden?

Faymann: Das fragen Sie mich? Mich stört nicht, wenn jemand sagt, ich möchte bei der Sozialhilfe Transparenz. Oder ob auch jene Bauern die Landwirtschaftsförderung erhalten, die unter besonders erschwerten Bedingungen arbeiten. Ich ziehe dort die Grenze, wenn man, wie es einige in der ÖVP tun, die Armutsbekämpfung und Mindestsicherung zum politischen Schacher erklärt. Das macht man nicht, das ist unerträglich.

Interview wurde geführt von: M. Jungwirth