Ein Feldmarschall auf Freiersfüßen
Franz Conrad von Hötzendorf, seit 1910 Freiherr, ab 1918 Graf (* 11. November 1852 in Penzing bei Wien; † 25. August 1925 in Bad Mergentheim, Württemberg), ist der Nachwelt als Chef des Generalstabs für die gesamte bewaffnete Macht Österreich-Ungarns bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs bekannt.
Doch auch ein Militär hat ein Privatleben. Noch als junger Oberleutnant verliebte sich Franz Conrad von Hötzendorf unsterblich in die knapp 20 jährige Jella von Vivenot (geb. 1862).
Die letztes Jahr in Wiener Kunsthandel erworbenen Briefe zeigen den Kampf um seine Liebe, die zwar von der Tochter des Hauses bis an die Grenzen der gesellschaftlichen Konvention erwidert wurden, jedoch aber letztendlich nicht in die erhoffte Verbindung beider mündete. Der Grund war einfach:
Die Mutter der präsumtiven Braut war dagegen. Der Grund lag auf der Hand. Fehlendes standesgemäßes Einkommen des jungen Brautwerbers um die erforderlichen Mittel für die Hochzeit aufzubringen und auch später den gemeinsamen Haushalt zu bestreiten. Die spätere Karriere und der Aufstieg in den höchsten militärischen Rang waren damals noch nicht vorauszusehen.
Die Einrichtung der Heiratskaution war in der Maria-Theresianischen Ära aufgekommen um auch den Hinterbliebenen im Kampf gefallener Offiziere ein standesgemäßes Leben zu bieten, und die Kosten dafür nicht dem Ärar anheimfallen zu lassen. Da die Familie des zukünftigen Bräutigams oftmals das Geld nicht aufbringen konnte, ist die Familie der Braut finanziell in entsprechende Vorlage getreten. Dies sollte im vorliegenden Fall jedoch nicht in Frage kommen.
Jella Baronesse von Vivenot heiratete später den Wiener Arztes Egon Ritter von Braun-Fernwald und war die Mutter der späterhin bekannten Konzertsängerin gleichen Namens.
Franz Conrad von Hötzendorf heiratete später (April 1886) während seiner Stationierung in Lemberg Vilma Le Beau (1860–1905), wobei er auch hier nur mit Mühe die für Offiziere vorgeschriebene Heiratskaution aufbringen konnte. Mit Vilma hatte er fünf Kinder.
In Liebesangelegenheiten machte der nunmehrige General neuerlich von sich Reden wegen seiner Affäre mit der verheirateten Gina Reininghaus, die später seine zweite Ehefrau werden sollte. Hier stand allerdings nicht mehr das Problem der Heiratskaution im Vordergrund, hier waren es vor allem gesellschaftliche Zwänge die diese Privatangelegenheit zu einem (halb-) öffentlichen Skandal werden ließen. Doch das ist eine andere Geschichte ……
Sign.: KA, Nachlässe, B/1450, Nr. 514
Bernhard Wenning
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