19.12.2009
Werner Faymann: „Klar und entschlossen.“
"Österreich"-Interview des Bundeskanzlers
"Österreich": Welche Klimaschutz-Hoffnung setzen Sie in Obama?
Werner Faymann: Barack Obama hat in seiner Rede klar gemacht, dass genug Worte gewechselt wurden, nun müssen Taten folgen. Wir alle wissen, dass zwischen Entschlossenheit und konkreten Maßnahmen noch dicke Bretter zu bohren sind. Aber Obama hat über seine Vision hier und darüber, wohin er will, überhaupt kein Missverständnis aufkommen lassen. Er ist entschlossen, sich gegen die Erderwärmung zu stellen, es sind ihm all die Konsequenzen bewusst, die ein Nichthandeln bewirken würde. Klar ist aber auch: Obama hat in der Rede mehr zu Ausgleichszahlungen Stellung bezogen und weniger zum CO2-Reduktionsziel.
"Österreich": Barack Obama ist ein guter Rhetoriker. Haben Sie das Gefühl, dass er nur eine gute Sonntagsrede gehalten hat?
Werner Faymann: Nein. Ich gehe davon aus, dass er es ernst meint. Aber er ist auch ein demokratisch gewählter Politiker, der im eigenen Land einen Senat hat, dessen Zustimmung er braucht. Und wenn er internationale Vereinbarungen schließen will, muss er Lateinamerika, China und Europa genauso überzeugen. Ich glaube allerdings, beim Klimaschutz hat er es bei den Europäern leicht, weil wir haben ja als Erste ein konkretes Angebot gemacht. Besonders schwierig ist es für uns alle, China zu überzeugen.
"Österreich": Sind Sie über Länder wie China und USA verärgert, dass sie in den Verhandlungen selbst kaum weitertun?
Werner Faymann: US-Außenministerin Hillary Clinton hat gestern erstmals auch eine Zahl genannt, nämlich 100 Milliarden Dollar. Sie sind damit einverstanden, dass dieser Beitrag bis 2020 notwendig für Ausgleichszahlungen an Schwellen- und Entwicklungsländer sei. Es ist auch ein Reduktionsziel um 20 Prozent bis 2020 im Gespräch. Ich würde nicht sagen, die Vereinigten Staaten machen nichts. China hat hingegen den Standpunkt vertreten, dass es nicht notwendig sei, weitere Kontrollmechanismen einzusetzen. Da bin ich aber anderer Meinung. Wir brauchen hier höchstmögliche Transparenz.
"Österreich": Wäre es eine Blamage für die 120 Staats- und Regierungschefs, wenn der Klimagipfel von Kopenhagen scheitert?
Werner Faymann: Ja, für alle. Es ist ein Abschlusspapier ohne konkrete Reduktionsziele möglich. Was noch schlimmer wäre als die Blamage: Es wäre für die Umwelt schlecht und damit für die Lebensverhältnisse von Menschen.