27.11.2008
Staatssekretär Lopatka im Interview mit der Tageszeitung "Die Presse"

Lopatka: „Bin in der Schulpolitik gescheitert“

Staatssekretär Reinhold Lopatka spricht mit der "Presse" über den schweren Stand des Sports in der Politik, Dopingsünder, Strafrecht, Funktionärs-Doppelgleisigkeit und Spitzensportförderung.

Die Presse: Der Sport hat die Fronten gewechselt, er übersiedelt vom Bundeskanzleramt ins Verteidigungsministerium zu Norbert Darabos. Der bisherige Sport-Staatssekretär, Reinhold Lopatka, wird sich künftig als Finanz-Staatssekretär beweisen müssen. Was bleibt von Ihrer Amtszeit?

Lopatka: Ich habe etwas eingeführt, was der österreichische Sport bitter nötig gehabt hat: das Anti-Doping-Gesetz. Wir haben die finanziellen Mittel verdoppelt, jetzt stehen 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Eine schreckliche Entwicklung hat der Fall Bernhard Kohl genommen, er hat zur Aufklärung nichts beigetragen, hat keine Hintermänner genannt. Jetzt ist die Staatsanwaltschaft am Zug. Wäre interessant, einen Fall einmal auf Betrug auszujudizieren. Immerhin hat Kohl seinen Sponsoren etwas vorgetäuscht – und sich damit letztlich bereichert. Die strafrechtliche Schiene muss ausgebaut werden. Da bin ich mittlerweile mit dem Rad-Präsidenten (Otto Flum) einer Meinung, Dopingsünder gehören auch strafrechtlich verfolgt, wie in der Drogenbekämpfung.

Die Presse: Was findet man noch auf der Habenseite?

Lopatka: Wir haben erstmals im Sportbudget Geld für Bewegungsinitiativen, es handelt sich um zwei Millionen Euro. Und wir haben im Frauensport einige Kraftanstrengungen unternommen. Aber es gibt noch immer Benachteiligungen. Auch im Lehrlingsbereich muss das Angebot vergrößert werden. Fortschritte haben wir bezüglich der Rolle des Sports bei der Integration gemacht. Man denke nur an die Auftritte von Ümit Korkmaz bei der Euro – und die Rapid-Fans sind normalerweise nicht gerade dafür bekannt, dass sie besonders tolerant sind.

Die Presse: Im Regierungsabkommen findet sich beim Thema Sport einiges über Bewegung, Kindergärten, Volksschulen, Turnstunden. Ist dafür nicht das Bildungsministerium zuständig?

Lopatka: Das ist doch alles Quatsch. Der Sport findet sich dort nicht in der obersten Prioritätenliste. Dass Bewegung im Sportprogramm steht, das ist eine Ersatzhandlung. Wenn Sie so wollen, dann bin ich im Rahmen der Schulpolitik gescheitert – so wie übrigens alle meine Vorgänger auch.

Die Presse: Haben Sie als Staatssekretär jemals einen Versuch unternommen, die Dachverbände unter einen gemeinsamen Hut zu bekommen oder gänzlich abzuschaffen?

Lopatka: Wir haben vor allem eine Doppelgleisigkeit bei der Bundessportorganisation (BSO]) und beim Olympischen Comitee (ÖOC). Da gibt es ganz klar eine Doppelgleisigkeit. Ich bin immer für Konzentration und Professionalisierung eingetreten. Aber in gewissen Bereichen gibt es im Vergleich zum benachbarten Ausland eben eine sehr hohe Dichte an Funktionären. Und bei manchen Sitzungen hat man den Eindruck, immer wieder die gleichen Gesichter zu sehen.

Die Presse: Das heißt, Sie konnten als Sport-Staatssekretär keine umfassenden Reformen in Angriff nehmen?

Lopatka: Das Problem bei den letzten Sport-Staatssekretären war offenbar: Bis sich einer wirklich eingearbeitet hat und verstanden hat, wie der Sport funktioniert, war er auch schon wieder weg. Die wurden manchmal so schnell gewechselt wie Fußballtrainer von Franz Stronach. Meine Zeit beim Bundeskanzleramt war auch viel zu kurz.

Die Presse: Hat der Sport in Österreich ein Imageproblem?

Lopatka: In der Politik ist einigen die Bedeutung nicht bewusst. Und ich bin der Meinung, dass der Sport im Bundeskanzleramt gut aufgehoben war. Eine Nähe zu einem Bundeskanzler herzustellen, das muss kein Nachteil sein.

Die Presse: Soll das im Klartext heißen, es war ein Fehler, den Sport künftig beim Verteidigungsministerium anzusiedeln? Ein Rückschritt?

Lopatka: Ich formuliere es anders: Es ist sicher kein Fortschritt. Der Sport findet sich in keinem der EU-Länder im Verteidigungsministerium, nur in der Schweiz ist das aus anderen Gründen so.