26.11.2008
Bundeskanzler Gusenbauer ehrt Jazzmusiker Rudi Wilfer

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer verlieh heute dem Komponisten, Pianisten und Jazzmusiker Rudi Wilfer das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Im Rahmen der feierlichen Ehrung im Bundeskanzleramt sprach Gusenbauer vom Geehrten als dem gegenwärtig „besten Jazzpianisten Österreichs“. Rudi Wilfer werde oft in einem Atemzug mit Größen wie Joe Zawinul, Fritz Pauer und Friedrich Gulda genannt. Sein Trio, das Rudi Wilfer Trio, sei weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt.

Rudi Wilfer wurde 1936 in Salzburg geboren und studierte am Konservatorium in Wien Klavier und Trompete. Seine Karriere als Jazzmusiker begann bereits im Jahr 1959. Er spielte mit dem legendären Fatty George, mit internationalen Stars wie Leo Wright, Ray Brown, Lionel Hampton und Slide Hampton ebenso wie mit Joe Zawinul und Friedrich Gulda. Zu seinen musikalischen Wegbegleitern zählten europäische Musikergrößen wie Aladár Pege, Charly Antolini, Carl Drewo, Oscar Klein, Uzzi Förster, Hans Salomon und Lee Harper. Ende der 60er Jahre debütierte das Rudi Wilfer Trio mit Toni Michelmayr und Victor Plasil. Gleichzeitig wirkte Rudi Wilfer auch im Erich Kleinschuster Sextett. Im Jahr 1973 gewann er den „Internationalen Jazz Composition Contest of Monaco“ mit „For Joe“, einer Hommage an Joe Zawinul. Der Jazzmusiker Wilfer schrieb aber auch die „St. Michaeler Messe“, die 1981 in der Don-Bosco-Kirche in Wien im Rahmen des „Wiener Jazzfrühling“ mit dem Arnold Schönberg Chor und dem Niederösterreichischen Kammerorchester uraufgeführt wurde. In seiner Geburtsstadt Salzburg wurde dieses Werk anlässlich seines 60. Geburtstages im Dom aufgeführt. Der Profimusiker und Komponist lebt seit 1970 im Salzburger Lungau.

Bundeskanzler Gusenbauer ging in seiner Würdigung auf den Stellenwert des Jazz in der Musikgeschichte ein und erinnerte daran, dass es im Geburtsjahr von Rudi Wilfer bereits ein Aufführungsverbot von Jazzmusik im damaligen Deutschen Reich gegeben habe und auch Österreichs Musikzensoren bereits gemeint hätten, sich daran orientieren zu müssen. „Die umfassende Gleichschaltung erfolgte auch im Musik- und Kunstbereich zuweilen mit vorauseilendem Gehorsam. In den deutschsprachigen Ländern konnte somit eine ganze Generation nicht mit demokratischen Rhythmen wie jenen des Jazz aufwachsen. Jazz war und ist eine Freiheitsmelodie und die Antithese zu den dunklen Seiten unserer Geschichte“, so Gusenbauer. Rudi Wilfer habe für den Jazz in Österreich einen herausragenden Stellenwert, und zwar nicht nur als Trompeter und Pianist, sondern vor allem auch als Komponist. Mit seiner ungebremsten Spiellust habe er im Laufe seiner langen Karriere viele namhafte Bands musikalisch bereichert. Vom Komponisten Rudi Wilfer sei in Zukunft noch viel zu erwarten, so der Bundeskanzler abschließend.