20.11.2008
Gespräch mit Sport-Staatssekretär Lopatka in den "Oberösterreichischen Nachrichten"

Österreich braucht eine "Doping-Kripo"

Während in Italien, Deutschland oder Frankreich Doping-Netzwerke zumindest teilweise freigelegt werden, gibt es in Österreich zwar Gerüchte und Spekulationen, aber kaum handfeste Fakten. Der Sport-Staatssekretär will jetzt Tempo machen.

Reinhold Lopatka befindet sich zwar in der Nachspielzeit einer Amtszeit, die aufgrund der politischen Konstellation den Charakter einer Null-null-Partie hatte (Sportminister/ SP - Sport-Staatssekretär/ VP), jetzt versucht er aber doch noch, eine Offensive zu starten. Eine seiner Forderungen an die Regierungsverhandler ist die Schaffung einer eigenen Anti-Doping-Spezialeinheit innerhalb der Kriminalpolizei. "Man hat das Gefühl, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft derzeit nicht wirklich vom Fleck kommen. Da muss mehr Dynamik hinein", so Lopatka. Speziell die Untersuchungen der österreichischen Behörden im Umfeld des vermeintlichen Doping-Skandals bei den Olympischen Spielen in Turin 2006 hätten bislang keine neuen Erkenntnisse gebracht. "Es heißt immer wieder, nächste Woche kommen Ergebnisse auf den Tisch. Aber bis heute liegt nichts da", so der Sport-Staatssekretär. Er selbst kann die Ermittlungen nicht beschleunigen, auch wenn er das gerne tun würde. "Ich bin ja nicht die Staatsanwaltschaft, mir sind die Hände gebunden."

Große Hoffnungen, dass der prominenteste Doping-Fall der jüngeren österreichischen Sportgeschichte, Bernhard Kohl, Klarheit schaffen könnte, macht sich Lopatka keine. "Die Tränen nach dem Geständnis sind getrocknet. Jetzt wird schon wieder an der Fortsetzung der Karriere gearbeitet. Kohls Ambitionen, Hintermänner aufzudecken, werden sich in Grenzen halten." Am Montag wird der entthronte Bergkönig der Tour de France vor der nationalen Anti-Doping-Kommission NADA aussagen. Bei den entscheidenden Fragen dürfte entsprechend der österreichischen Praxis in der Doping-Causa ein Stummfilm laufen.