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Werte Trauergemeinde!
Vor wenigen Tagen habe ich mir zum zweiten Mal dieses sehr bemerkenswerte Gespräch zwischen Helmut Zilk und Kardinal Franz König angesehen. Unter anderem haben die beiden über die Frage der Vergänglichkeit diskutiert. Sie sind damit natürlich auch auf das Thema zu sprechen gekommen: Was bleibt eigentlich übrig, in memoriam posteris, in der Erinnerung der Nachwelt? Vieles wurde heute und in den letzten Tagen in einer großen Anzahl von Würdigungen bereits ausgedrückt. Helmut Zilk, der wandelnde Ombudsmann, der Bürgermeister, dem keine kleine Sorge der Menschen zu groß war, der Vater des modernen Wien. Er war jemand, der starke Überzeugungen hatte, der ein streitbarer Geist war, wenn es um seine Meinungen gegangenen ist, jemand, der sehr aktiv mit seiner unvergleichlichen Stimme sehr viele Menschen von dem überzeugen konnte, was er für richtig gehalten hat. Er hat damit in seinem Leben sehr, sehr viel erreicht. Aber die Frage, die wir uns am heutigen Tage stellen müssen ist: Was ist jenseits aller Errungenschaften, jenseits aller Leistungen die spirituelle, die moralische Botschaft von Helmut Zilk?
Wenn Personen im Blickpunkt des öffentlichen Lebens stehen wird oft leicht dahingesagt, dass sie aus Liebe zu den Menschen handeln. Das ist eigentlich ein großes Wort, das sehr gelassen ausgesprochen wird. Aber bei kaum jemand wurde dieses Bekenntnis auf eine so harte Probe gestellt wie bei Helmut Zilk. Er und einige andere wurden Opfer dieser grausamen Briefbombenattentate. Das hat bei ihm nicht zu Hass geführt, zu Vergeltung, zum Bedürfnis nach Revanche. Nein, er ist jener tolerante und aufgeklärte Mensch geblieben, der er auch vorher war. Das ist nichts Selbstverständliches, ganz im Gegenteil: Es bedeutet sehr viel, in einer solchen Situation bereit zu sein, zu verzeihen, zu vergeben, zu versöhnen.
Aus dieser Haltung heraus erklärt sich auch seine Beziehung zu der seit Jahrtausenden umkämpften Stadt Jerusalem, die wahrscheinlich auch dann erst zur Ruhe kommen wird, wenn es Verzeihen, Versöhnen und Vergebung gibt. Er war mit dieser Stadt sehr, sehr nahe verbunden und ich finde, sein Verhältnis zu Teddy Kollek war Teil dieses Versöhnungsprogramms. Wie aber ist man imstande zu verzeihen, zu vergeben und zu versöhnen, jenen ersten Schritt zu tun, der manchmal so schmerzvoll ist? Die Voraussetzung dafür ist in der Tat die Liebe zu den Menschen. Sie ist die Grundlage für das Verzeihen, das Vergeben und die Versöhnung. Wenn es eine Bilanz Deines Lebens gibt, lieber Helmut, dann können wir heute sagen: Es muss wohl Liebe gewesen sein.
Lieber Helmut, Ruhe in Frieden!
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