07.11.2008
Frauenministerin Silhavy: „Auch in Österreich wird traditionsbedingte Gewalt an Frauen verübt.“

Eröffnung der Ausstellung „Tatmotiv Ehre“ im Frauenministerium

„Es ist eine schwere Verletzung der Menschenrechte, wenn unter Berufung auf Tradition die Rechte von Frauen missachtet werden“, sage Frauenministerin Heidrun Silhavy bei der Eröffnung der Ausstellung „Tatmotiv Ehre“ im Frauenministerium.

Gewalt unter dem Deckmantel des Begriffes „Ehre“ kommt in vielfältigen Ausformungen vor. Mädchen und Frauen werden überwacht, von Bildung fern gehalten, zwangsverheiratet und genitalverstümmelt. Dieses Phänomen existiert weltweit unabhängig von Kultur und Religion und ist auf patriarchalische Strukturen und ungleiche Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern zurück zu führen. Die Auswirkungen auf die betroffenen Mädchen und Frauen sind schwerwiegend und können tödlich sein.

Wie aktuell das Thema immer noch sei, beweise gerade erst wieder die Steinigung eines 13 Jahre alten Mädchens in Somalia. Auf entsetzliche Weise sei hier die Gewalt gegen Frauen und Mädchen in den Mittelpunkt gerückt worden, zeigte Silhavy auf.

Obwohl die Gesetzeslage in Österreich klar ist und diese Formen von Gewalt unter Strafe stellt, passiert Gewalt gegen Frauen auch in Österreich. „Denn nach wie vor fehlt vielfach das Bewusstsein und die Sensibilität, wenn es um Gewalt im Nahmen der Ehre geht“, sagte Silhavy. Projekte und Organisationen, die sich für betroffene Frauen einsetzen, müssen deshalb intensiv unterstützt werden. So wurden etwa im heurigen Jahr aus dem Frauenbudget zahlreiche Einrichtungen und Projekte, die sich mit „traditionsbedingter“ Gewalt auseinander setzen, mit insgesamt 635.000,- Euro gefördert. „Dringend brauchen wir eine Notwohnung für Betroffene von Zwangsheirat“ sagte Silhavy und betonte die Notwendigkeit, dass diese Mädchen und Frauen endlich eine betreute und ganz auf ihre speziellen Bedürfnisse abgestimmte Unterkunft bekommen. Die Errichtung einer solchen Notwohnung sei bereits im Regierungsprogramm verankert gewesen und soll auch in die laufenden Koalitionsgespräche einfließen.

Um Sensibilität und Bewusstsein für dieses Thema geht es bei der von Silhavy eröffneten und von der deutschen Frauenrechtsorganisation „Terre des femmes“ gemeinsam mit „Orient Express“ organisierten Wanderausstellung. Auf 34 Tafeln kommen Frauen aus allen Teilen der Welt zu Wort und berichten über die Situation der Frauen in ihrer Heimat. Aufgezeigt werden auch die Aktivitäten der Vereinten Nationen sowie die Rechtslage in anderen Ländern. Nicht zuletzt ist auch klar erkennbar, dass es überall Frauen geben muss und gibt, die sich mutig und engagiert für die Rechte anderer Frauen einsetzen – auch auf die Gefahr hin, selbst in Gefahr zu geraten.

Angesprochen werden sollen Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren sowie Frauengruppen und -organisationen. Besucherinnen- und Besuchergruppen können sich unter der Telefonnummer 01 728 97 25 oder unter der E-Mailadresse: office@orientexpress-wien.com anmelden.
Die Ausstellung im Frauenministerium im Palais Dietrichstein ist von Dienstag bis Freitag jeweils von 9 bis 18 Uhr (letzter Einlass 17.30 Uhr) geöffnet und läuft bis zum 25. November. Am 20. November wird in diesem Rahmen den ganzen Tag über der Dokumentarfilm „Das andere Ich“ gezeigt, der sich mit türkischen und kurdischen Frauen aus Vorarlberg, Innsbruck und Wien auseinandersetzt.