28.12.2007
Bericht zu Staatssekretär Lopatka in "Die Presse"

Schneller, höher, weiter - besser?

Sportpolitik - Ob OTS-Aussendung oder Euro-Projekt - auch hinter den Kulissen läuft ein Wettkampf. Reinhold Lopatka verhehlt "Auseinandersetzungen" mit Alfred Gusenbauer nicht.

Gewinnt ein Sportler eine Medaille, verliert ein prominenter Mensch sein Leben, oder ist tatsächlich etwas offen anzuprangern, dann wählen Politiker den direkten Weg an die Öffentlichkeit. Im Scheinwerferlicht lässt es sich leicht und schön posieren. Mittels an Medien verschickter OTS-Sendungen - das sind Originaltexte, die über die Austria Presse Agentur in die Redaktionen des Landes flattern - ist es schnell vollbracht. Freilich erscheint nicht jede, vielleicht sogar keine einzige Aussendung, doch das setzt dem frohen Unterfangen kein Ende. Vor allem im Euro-Jahr will jeder signalisieren, für "Österreich am Ball" zu sein. So schnell können Rodler, Schwimmer oder Skifahrer nicht sein, der zweifellos aus purem Patriotismus getippte OTS-Text überholt sie alle...

Wäre diese Kategorie tatsächlich ein Wettkampf in Österreichs Sport- und Medienpolitik, dann hätte ihn im ersten Jahr des Kabinetts Gusenbauer Staatssekretär Reinhold Lopatka für sich entschieden. Sein Büro verschickte 169 für den Sport "relevante" Aussendungen, davon waren 37 als Gratulationen gedacht. Sportminister Alfred Gusenbauer ließ nur 84 Sport-Meldungen verschicken, davon entpuppten sich 40 als Gratulation. Sie trafen zwar zumeist zwei Minuten oder gar eine Stunde vor Lopatkas Glückwünschen ein, jedoch blieben sie nicht immer frei von Fall- und Tipp-Fehlern. In einem Tennis-Match stünde es jetzt 15 zu 0, Vorteil Lopatka.

Mega-Events im Burgtheater

Größeres Aufsehen und Medieninteresse ist Österreichs Politikern 2008 aber ohnedies garantiert. Da warten mit der Fußball-Europameisterschaft (EURO) und den Olympischen Spielen in Peking "echte Mega-Events", wie Lopatka erklärte, die bei der Jugend weitere Begeisterung für "Bewegung und Sport" entfachen sollen. Im Rahmen der EURO startet das Sport-Staatssekretariat auch ein - mit 500.000 Euro - gefördertes "Ballsport-Projekt". Denn Liga und Bevölkerung müssten doch nachhaltig von der EURO, Know-how und den Emotionen profitieren. Dem stimmt Gusenbauer zu - 30 zu 15.

Dass aber just Österreichs größtes Sportereignis aller Zeiten - eine Wiederholung dessen respektive die Austragung Olympischer Spiele oder einer Weltmeisterschaft sind ausgeschlossen - zum Streitpunkt werden könnte, zeigt die Diskussion um das Burgtheater. Das Bundeskanzleramt überlegt, dort während der EURO elitäre Sport-Gäste zu empfangen. Davon wusste Lopatka bis vor kurzem nichts, er reagiert trocken und sagt: "Natürlich gibt es Auseinandersetzungen mit Gusenbauer, aber die führen wir intern. Zu Projekten, die ich nicht kenne, sage ich nichts." Der Bundeskanzler gleicht also mit einem scharfen Service aus - 30 zu 30.

Reine Selbstdarstellung?

Lopatka ging aber doch in die Offensive. Er habe ja aus den Medien erfahren, dass es das Burgtheater-Projekt gäbe. Wenn es denn sinnvoll sei - das wisse er ja ohne Einsicht in die Unterlagen nicht - unterstütze er es. Gehe es jedoch "allein um die Ehre, die Selbstdarstellung des Bundeskanzlers", so Lopatka, obendrein um sündteures (Steuer-)Geld, dann sei dieser Plan zu verurteilen. Ein knalliger Return an die Grundlinie, 40 zu 30!

2007 sei von Seite der Bundesregierung viel für den Sport getan worden, lobt Lopatka das Erreichte aus. 2008 soll noch mehr bewegt werden, aber Knackpunkt ist dabei die Besetzung des (unabhängigen) Geschäftsführers der neu gegründeten Doping-Agentur NADA. Die Gremien - rot und schwarz - tagen, diese Ausschreibung soll bis Anfang Februar erfolgen.

Als besonders wichtig erachtet nicht nur Lopatka die Tatsache, dass Österreich nun über ein Doping-Gesetz verfügt. Er betont, dass es mit seinem Vorgänger Karl Schweitzer "nichts zu tun" habe, sondern ein eigenständiger Vorstoß des aktuellen Staatssekretariats sei. Weitere Erfolge des Jahres wären die Verdopplung der Mittel für innovative Schulprojekte (3,6 Millionen), Doping-Prävention (1,2 Millionen), die Top-Sport-Austria-Förderung für Olympia (4,7 Millionen) und vor allem die Anhebung der Bundessport-Förderung auf über 100 Millionen Euro - pro Jahr gewesen.

All das gelang nur im Doppelpass mit dem Bundeskanzler - 40 zu 40, Einstand. Ob es jemals einen Sieger geben wird, zeigen einzig und allein die Erfolge des österreichischen Sports.

von Markku Datler