Christkindlbrief der Rosa von Harrach aus dem 17. Jahrhundert
Im Familienarchiv Harrach, welches sich als Depot im Österreichischen Staatsarchiv, Abteilung Allgemeines Verwaltungsarchiv, Finanz- und Hofkammerarchiv, befindet, sind zahlreiche Korrespondenzen, Urkunden, Handschriften, aber auch Wirtschaftsunterlagen dieser Familie seit dem 11. Jahrhundert erhalten.
Unter den Korrespondenzen Ferdinand Bonaventuras I. fand sich vorliegender Christkindlbrief seiner, damals wohl etwa 6 – 7 Jahre alten, Tochter Rosa.
Ferdinand Bonaventura I. (1636-1706), verehelicht mit Johanna Theresia, geborene Lamberg (1639-1716), war Reichshofrat und Geheimer Rat, kaiserlicher Botschafter in Madrid, Obersthofmarschall, später Oberstallmeister und ab 1699 Obersthofmeister bei Leopold I. Bei seinem Aufenthalt als Botschafter in Spanien (1673-1677) wurde er von seiner Familie begleitet, weitere diplomatische Reisen führten ihn nach Madrid, nach Polen und Frankreich.
Rosa von Harrach (1674-1742) ist seine jüngste Tochter.
Rosa von Harrach heiratete 1700 mit 25 Jahren Karl Emanuel Fürst von Longueval, Graf von Bucquoy, die Ehe blieb kinderlos. Nach dem Tod ihres Gemahls 1703 heiratet Rosa nicht mehr.
Bei vorliegendem Christkindlbrief bittet Rosa um einen Mantelrock und Mieder, sowie Spitzen und seidene Strümpfe. Sie verspricht dafür, fleißig lesen und schreiben lernen zu wollen.
Der Brief stellt insofern ein Kuriosum dar, als bei den Katholiken um diese Zeit eher die Beschenkung am Nikolaustag üblich war. Anders wurde dies in den protestantischen Ländern gefeiert. Martin Luther hatte die Bescherung vom Nikolaustag auf den Weihnachtstag verlegt, da die evangelische Kirche keine Heiligenverehrung kennt.
Möglicherweise steht dies in Zusammenhang mit den von der Familie kurz davor in Spanien verbrachten Jahren. Denn zu den Weihnachtsfeiern findet sich noch eine andere interessante Stelle im Familienarchiv Harrach: 1697/1698 verfasst Ferdinand Bonaventura ein Tagebuch während seiner Gesandtschaftsreise nach Madrid (FA Harrach Handschrift 134). In diesem berichtet er am 25. Dezember 1697:
„…vil haben geschükt, undt andere seindt selber komen, mir die heilige feyertäg zu wüntschen, vil haben mich mit Indianer hüener Capaunen rephüner allerley süesse sachen, undt ops regalirt welches hier ein brauch ist, das die gueten freündt einander schüken,…“ (Madrid, 25. Dezember 1697, fol. 668.)
Gerald Theimer
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