Die Österreicherinnen und Österreicher haben ein sehr ambivalentes Verhältnis zu ihrem ehemaligen Herrscherhaus. 735 Jahre lang standen die österreichischen "Erblande" unter habsburgischer Herrschaft.
735 Jahren regierten die Habsburger(-Lothringer) in den sogenannten österreichischen "Erblanden". Wien war – mit einigen Unterbrechungen – seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis 1806 Residenz der römisch-deutschen Kaiser, von 1804-1867 der österreichischen Kaiser, von 1867-1918 Hauptstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die Haupt- und Residenzstadt wurde dadurch zu einer europäischen Metropole ersten Ranges.
Luftbildaufnahme der Hofburg ca. 1900
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Als am Ende des Ersten Weltkriegs die Völker der Donaumonarchie eigene Nationalstaaten zu bilden begannen beziehungsweise sich anderen Nachbarstaaten annäherten und anschlossen, war es bald klar, dass sich auch der deutsch-österreichische "Rest" der k.u.k. Monarchie sich als demokratischer Staat konstituieren würde. Am 12. November 1918 wurde die Republik Deutschösterreich ausgerufen, nachdem am Vortag eine Erklärung betreffend des Verzichts Kaiser Karls auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften veröffentlicht worden war. Am 24. März 1919 verließ Kaiser Karl, ohne formell abgedankt zu haben, mit seiner Familie Österreich in Richtung Schweiz. Am 3. April beschloss die Nationalversammlung mit dem so genannten "Habsburgergesetz" die Landesverweisung und die Enteignung des habsburgischen Vermögens. Nachdem Karls Restaurationsversuche in Ungarn 1921 gescheitert waren, wurde er auf einem britischen Kreuzer ins Zwangsexil auf die portugiesische Insel Madeira verbracht, wo er am 1. April 1922 starb.
Eine langsame Normalisierung der Verhältnisse der Familie des ehemaligen Kaisers von Österreich gelang erst in der Zweiten Republik. Zumindest erhielt Karls Sohn Otto 1966 einen österreichischen Pass. Seine erste Reise nach Tirol im selben Jahr löste zwar noch Proteste aus, doch im Mai 1972 kam es schließlich in Wien zum historischen Handschlag zwischen Otto Habsburg und Bundeskanzler Bruno Kreisky. Das Begräbnis von Karls Gattin Zita, ein privat organisiertes Großereignis, zog 1989 vor allem Hochadel aus aller Welt an und die Blicke der Regenbogenpresse auf Wien. Heute zählen die Spanische Hofreitschule, Schloss Schönbrunn und die Hofburg – nicht zuletzt das "Sissy-Museum" – zu den größten Tourismus-Magneten der ehemaligen Residenzstadt und Hauptstadt Wien. Im Jahr 2008 wird nicht nur der 90. Geburtstag der Republik Österreich gefeiert, sondern auch der 150. Geburtstag des Kronprinzen Rudolf.
Als im Oktober 1273 Graf Rudolf IV. von Habsburg zum römisch-deutschen König gewählt wurde, war damit ein 23 Jahre dauerndes Interregnum im Reich beendet. Es kam zum Krieg als Rudolf dem böhmischen König Przemysl Ottokar II. 1275 die babenbergischen Besitzungen entzog, da dieser sich geweigert hatte, bei König Rudolf I. um eine Neubelehnung anzusuchen. Vor den Toren Wiens musste sich Ottokar dem deutschen König unterwerfen und wurde daraufhin mit Böhmen und Mähren belehnt. Auf Österreich, die Steiermark, Kärnten, Krain und die windische Mark musste er allerdings verzichten. Mit dem Sieg über Ottokar bei Dürnkrut und Jedenspeigen (1278) gewann König Rudolf I. endgültig das Erbe der Babenberger für sein Haus. Auf dem Reichstag zu Augsburg belehnte er am 17. Dezember 1282 seine Söhne Albrecht und Rudolf "zur gemeinsamen Hand" mit den Herzogtümern Österreich und Steiermark. Damit war der Grundstock für die "Erblande" gelegt, die von 1283-1918 unter habsburgischer Herrschaft standen. 1335 kam das Herzogtum Kärnten an die Habsburger. 1363 übergab Margarethe Maultasch die Grafschaft Tirol an Herzog Rudolf IV. von Habsburg. Die habsburgischen Stammbesitzungen in der Schweiz, die "Vorlande", gingen hingegen schon früh verloren. Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau, seit 1368), Triest und Teile Istriens (seit 1382) waren viel länger österreichisch als etwa das Erzbistum Salzburg, das kurzfristig 1806-1809, endgültig aber erst 1816 nach dem Wiener Kongress an das Kaisertum Österreich fiel.
An meine Völker, 1914
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"Tu felix Austria nube" – "Du glückliches Österreich heirate": Der in Wiener Neustadt geborene und dort auch begrabene Sohn Kaiser Friedrichs III., Maximilian I. erwarb auf diese Weise Burgund und Mailand. Seinen Enkel Ferdinand und seine Enkelin Maria verheiratete Maximilian 1515 mit den Jagiellonen-Erben Anna beziehungsweise Ludwig. Nach dessen frühen Tod in der Schlacht bei Mohács (1526) fielen die Königreiche Böhmen und Ungarn an das Haus Habsburg. Der Aufstieg zur europäischen Großmacht begann. Der Besitz Ungarns war zwischen Habsburgern und Osmanen allerdings heftig umstritten. Er war Anlass und Ursache für mehrere Türkenkriege und nicht zuletzt für die zweimalige vergebliche Belagerung Wiens, ehe die Habsburger Ungarn 1687 endgültig erobern konnten. Immer wieder kam es zu Teilungen der habsburgischen Länder. Doch immer wieder fielen die Länder der Nebenlinien an die Hauptlinie zurück. Die Erbteilungen zwischen den Brüdern Karl V. und Ferdinand I. (1521/22) standen am Beginn der Spaltung in eine spanische und in eine österreichische Linie des Hauses Habsburg.
Als erster Habsburger wurde König Friedrich IV. 1452 zum römisch-deutschen Kaiser (als Friedrich III.) gekrönt worden. Er war der letzte römisch-deutsche Kaiser, der vom Papst in Rom gekrönt wurde. Die letzte Krönung durch einen römischen Papst erlebte Karl V. 1530 in Bologna.
Bis zum Jahr 1740 stellte das Haus Habsburg alle Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Von 1745 bis zum Ende des Reichs im Jahr 1806 entstammten die Kaiser (Franz I. Stephan, Josef II. und Franz II.) dem Haus Habsburg-Lothringen. In den 114 Jahren des Bestehens eines Kaisertums Österreich 1804-1867 bzw. der Österreichisch-Ungarischen Monarchie von 1867-1918 regierten zuletzt Franz I. (1804-1835), Ferdinand I. (1835-1848), Franz Josef I. (1848-1916) und Karl I. (1916-1918).
Erherzog Franz Ferdinand verzichtet auf alle Thronansprüche für seine Kinder, 1900
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Das Haus Habsburg-Lothringen konnte also auf eine lange Herrschaftszeit in Österreich zurückblicken. Aber im Zeitalter des Nationalismus, an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert galt ein Vielvölkerstaat als nicht mehr zeitgemäß. Die Donaumonarchie wurde von manchen als "Völkerkerker" empfunden. Das "Nationalitätenproblem" wurde zur existenzbedrohenden Gefahr für die Donaumonarchie, die Völker und Nationen drifteten langsam, aber stetig auseinander. Zusammengehalten wurde die k.u.k. Monarchie zuletzt durch die Person des alten Kaisers Franz Josef I., der sich vor allem auf die Treue "seiner" Beamten und "seines" Militär stützte. Als loyal galt bis zuletzt auch die deutschsprachige Bevölkerung der Doppelmonarchie. Nach dem Tod Kaiser Franz Josefs war der Zerfall der Habsburgermonarchie allerdings nicht mehr aufzuhalten.
Zu spät proklamierte Kaiser Karl am 16. Oktober 1918 einen Nationalitätenbundesstaat. In seinem Manifest "An meine getreuen österreichischen Völker" rief er zu einem "Neuaufbau des Vaterlandes" auf: "Österreich soll, dem Willen seiner Völker gemäß, zu einem Bundesstaate werden, in dem jeder Volksstamm auf seinem Siedlungsgebiete sein eigenes staatliches Gemeinwesen bildet." Jedem nationalen Einzelstaat werde seine Selbständigkeit gewährleistet, versprach Karl, doch diese Einzelstaaten sollen zusammen bleiben – unter der Krone Habsburgs. Tatsächlich schufen sich die einzelnen Nationen bereits selbständige Staaten oder schlossen sich Nationen außerhalb der Reichsgrenzen an. Deutschsprachige Abgeordnete des Reichsrats riefen als "deutschösterreichischer Nationalrat" die Republik aus. Die Friedensverträge von Saint-Germain 1919 (mit Österreich) und Trianon 1920 (mit Ungarn) besiegelten die Aufteilung der Länder der österreichisch-ungarischen Monarchie unter den Nachfolgestaaten.
Lesen Sie das Gesetz vom 3. April 1919 betreffend die Landesverweisung und die Übernahme des Vermögens des Hauses Habsburg-Lothringen, St.G.Bl. 1919/209, Änderung idF. BVG BGBl. 1963/172.