Montag, 17. Dezember 2007

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Justizministerin Berger: Maßnahmenpaket gegen Gewalt an Kindern

Die in jüngster Vergangenheit bekannt gewordenen Fälle schwerer Misshandlungen an Kindern hat Justizministerin Maria Berger zum Anlass genommen, ein Maßnahmenpaket gegen Gewalt an Kindern zu präsentieren, das sowohl im Strafverfahren als auch im straf- und zivilrechtlichen Bereich Verbesserungen bringen soll. Geplant sind unter anderem „einheitliche, lückenlose und strikte Anzeigepflichten“ aller mit Kindern befassten Berufe beim Verdacht auf Gewalt an Kindern. Derzeit müssen nur Sicherheitsbehörden Verdachtsfälle melden. Künftig sollen auch Jugendämter, Schulen, Kindergärten, Sportvereine und die Gesundheitsverwaltung in die Pflicht genommen werden.
Zudem gelten für die einzelnen Berufsgruppen gegenwärtig unterschiedliche gesetzliche Regelungen: Mediziner etwa haben sich an das Ärztegesetz zu halten und unterliegen bei Vorfällen im nahen Familienkreis nicht der gesetzlichen Anzeigepflicht, wenn zum Wohl des Opfers eine ausschließliche Zusammenarbeit mit dem Jugendamt angezeigt erscheint. Geschaffen hatte man die Ausnahme, um Eltern beziehungsweise nahen Angehörigen die Angst zu nehmen, verletzte Kinder ins Spital zu bringen.
Die Justizministerin präzisierte die geplanten Maßnahmen in einer Pressekonferenz am 12. Dezember: Demnach sollen neben der Ausweitung und Vereinheitlichung der Anzeigepflicht bei Gewalt an Kindern geschulte Staatsanwälte bei Misshandlungsfällen eine Schnittstellenfunktion übernehmen und Kinder vor weiteren Gewalttaten im „sozialen Nahraum“ schützen. Details der neuen Anzeigepflicht stehen allerdings noch nicht fest. Wichtig bei der Gesetzesänderung sei vor allem die Frage des Timings, wann genau ein Fall der Polizei gemeldet werden müsse. „Es muss in erster Linie die Sicherheit des Opfers sichergestellt werden“, betonte Berger. Ausgebaut werden soll die Strafbestimmung des Quälens oder Vernachlässigens von Kindern und wehrlosen Personen (§92 StGB).
Verbesserungen für Opfer sind auch im Straf- und Zivilprozess vorgesehen: Gerichte sollen in Hinkunft die Möglichkeit erhalten, die Hauptverhandlung aufzuschieben und zunächst nur dringend „nötige Beweisaufnahmen“ durchzuführen, wenn dies der Schonung des Opfers dient. Berger verwies darauf, dass die Strafjustiz in den vergangenen Jahren durch die Anerkennung und Einbeziehung des Opfers und seiner Rechte einen grundlegenden Wandel vollzogen habe. Man dürfe jedoch nicht nur auf die bekannt gewordenen Fälle fokussieren, sondern müsse das Augenwerk vor allem auch auf die Dunkelziffer jener Opfer richten, von deren Schicksal Polizei und Justiz nichts erfahren, betonte die Justizministerin. ■

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Menschenrechte: Frauenministerin Bures gegen Gewalt in der Familie

Anlässlich des internationalen Tages der Menschenrechte (10. Dezember) hat Frauenministerin Doris Bures Gewalt in der Familie als eine der häufigsten Menschenrechtsverletzungen angeprangert: Jede fünfte Frau werde Opfer von häuslicher Gewalt, die Polizei müsse täglich bis zu 20 Mal wegen Gewalt in der Familie eingreifen. Die Frauenhelpline gegen Männergewalt registriere pro Tag durchschnittlich 55 Anrufe. Im Jahr 2006 hätten 3.143 Frauen und Kinder im 25 autonomen österreichischen Frauenhäusern und Frauennotwohnungen Zuflucht gesucht. „Gewalt in der Familie ist keine Randerscheinung“, so Bures, die an die gesamte Gesellschaft appelliert, „hinzuschauen statt wegzuschauen“. Häusliche Gewalt gegen Frauen sei auch eine „Form psychischer Gewalt gegen Kinder“, betonte die Frauenministerin. Gewalt gegen die Mutter mitzuerleben, füge Kindern massiven Schaden zu. Bures verwies in diesem Zusammenhang auf die aktuelle Kampagne „Verliebt, verlobt, verprügelt“, mit der das Unrechtsbewusstsein geschärft und die Helpline für Frauen gegen Männergewalt – 0800/222 555 – breiter bekannt gemacht werden soll. Die Helpline wird von den Autonomen Frauenhäusern betreut und ist eine erste Anlaufstelle für Gewaltopfer. ■

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Klimafonds fördert Projekte um 45 Millionen Euro

Der neu gegründete heimische Klimaschutz- und Energiefonds hat bisher für 150 Projekte Förderungen in Höhe von 45 Millionen Euro bewilligt. Für 2007 stehen insgesamt 50 Millionen Euro zur Verfügung, bis 2010 500 Millionen Euro. Jeweils rund ein Drittel der Gelder geht in die Bereiche Forschung, Marktdurchdringung und Verkehr. ■

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Reformvertrag: Kanzler Gusenbauer bei Unterzeichnung in Lissabon

Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben am 13. Dezember in Lissabon den EU-Reformvertrag („Vertrag von Lissabon“) in einer feierlichen Zeremonie unterzeichnet. Damit wurden nach dem Scheitern der EU-Verfassung (2005) ein diffiziler Prozess zur Neustrukturierung der Europäischen Union beendet und die entsprechenden Reformen fixiert. Für Österreich signierten das Vertragswerk Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Außenministerin Ursula Plassnik. Die 27 EU-Staaten müssen den Vertrag nunmehr ratifizieren. In Österreich geschieht dies wie in den meisten Mitgliedstaaten durch das Parlament, ein Referendum über das Dokument ist bisher nur in Irland vorgesehen. In Kraft treten soll der Lissabon-Vertrag im Jänner 2009.
Bundeskanzler Gusenbauer bezeichnete den Vertrag als „wichtigen Schritt“ für Österreich. „Wir müssen klar sagen: Der europäische Weg hat sich gelohnt für Österreich“, so Gusenbauer. Das Land habe bisher von der EU-Mitgliedschaft profitiert und sei „Hauptgewinner der Erweiterung“. Das Vertragswerk selbst sei eine „Weiterentwicklung der Europäischen Union“ analog den Verträgen von Maastricht, Amsterdam und Nizza, die alle das österreichische Parlament ratifiziert habe. Dies sei daher auch „weiterhin der richtige Weg“, da die Grundsatzentscheidung über Österreichs Zugehörigkeit zur EU mit großer Mehrheit bei einer Volksabstimmung getroffen worden sei, betonte Gusenbauer.
Unter anderem soll es laut neuem Vertrag künftig einen auf zweieinhalb Jahre berufenen EU-Ratspräsidenten, einen „Hohen Vertreter“ für die Außen- und Sicherheitspolitik sowie eine verkleinerte EU-Kommission geben. Die Mitspracherechte des EU-Parlaments werden ausgeweitet. Für einen Mehrheitsbeschluss müssen ab 2014 mindestens 55 Prozent der Staaten stimmen, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Nationale Parlamente können in Hinkunft Gesetzesvorschläge der EU-Kommission leichter zurückweisen. Über seine Wasserressourcen oder engere militärische Kooperationen kann jeder Staat auch weiterhin souverän entscheiden.
Beim informellen Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel einen Tag nach der feierlichen Vertragsunterzeichnung wurde unter anderem die Kosovo-Frage erörtert. Beschlossen wurde eine Mission für den Aufbau von Justiz und Verwaltung im Kosovo, eine so genannte „Rechtsstaats-Mission“ mit rund 1.800 Personen. Gusenbauer verwies in diesem Zusammenhang auf die „verantwortungsvolle Rolle“ Österreichs und dessen in Aussicht gestellte Beteiligung an der Mission. Die EU werde auch „weitestgehend geeint“ in der Frage einer möglichen Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo vorgehen, wobei Österreich unter den Vorreitern sein könnte, wie der Bundeskanzler andeutete. ■

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EU-Afrika-Gipfel: Österreich warb für Kandidatur im UN-Sicherheitsrat

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Außenministerin Ursula Plassnik nutzten ihre Teilnahme am EU-Afrika-Gipfel in Lissabon am 8. Dezember zu einem Werbefeldzug für Österreichs Ambitionen auf einen nichtständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat für die Periode 2009/10. Mit dem Feedback zeigte sich der Bundeskanzler zufrieden: „Es strömt uns ziemlich viel Sympathie entgegen.“ Auf dem Programm standen bilaterale Gespräche mit Vertretern zahlreicher afrikanischer Staaten. Den geplanten Bundesheer-Einsatz im Rahmen der EU-Mission im Tschad rechtfertigte Gusenbauer unter Hinweis auf das traditionelle humanitäre Engagement Österreichs und der Europäischen Union. Es gelte, hunderttausenden Menschen eine Überlebenschance zu sichern. ■

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Größte Erweiterung der Schengen-Zone

Am 21. Dezember werden die Grenzkontrollen zu Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Polen, Estland, Lettland, Litauen und Malta aufgehoben. Innenminister Günther Platter erklärte dazu, dass die neuen EU-Außengrenzen „gut abgesichert“ seien. Zudem würden intensive Sicherheitsmaßnahmen, Kontrollen im grenznahen Raum und entsprechende Polizeiabkommen mit Österreichs Nachbarstaaten auch künftig für Sicherheit sorgen. Weiters werde der Assistenzeinsatz des Bundesheeres verlängert.
In der Tageszeitung „Die Presse“ (14. 12.) unterstrich Platter die Möglichkeiten und Vorteile der Schengen-Erweiterung, darunter den Wegfall der Wartezeiten an den Grenzen und bessere Chancen für die heimische Wirtschaft. ■

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OECD-Konjunkturprognose: Österreich bleibt stabil

Für heuer erwartet die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) ein Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent des BIP, womit 2007 die heimische Konjunkturspitze erreicht worden ist. Mit diesem Ergebnis liegt die OeNB in ihrer jüngst präsentierten Dezember-Prognose über dem Wert der Juni-Prognose (3,2 Prozent). Gleichzeitig revidierte die Nationalbank allerdings ihre Wachstumsprognosen für 2008 und 2009 nach unten und erwartet zudem für das Gesamtjahr 2007 eine deutlich höhere Inflation: statt ursprünglich 1,7 Prozent nunmehr 2,1 Prozent. Verantwortlich dafür seien die gestiegenen Preise für Lebensmittel, Energie, Wasser und Wohnen sowie im Verkehrsbereich, erklärte OeNB-Direktor Josef Christl am 11. Dezember vor Journalisten. 2008 soll der Wert sogar auf 2,4 Prozent steigen, dafür 2009 wieder unter die 2-Prozent-Marke fallen.
Das reale Wachstum werde im internationalen Vergleich hingegen robust bleiben: Für 2008 rechnet man mit einem Plus von 2,5 Prozent (Juni-Schätzung: 2,7 Prozent), für 2009 mit 2,3 Prozent.
Überschattet seien die Wachstumsaussichten von den Problemen auf dem US-Immobilienmarkt und den damit einhergehenden Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten, insbesondere dem Geldmarkt, erläuterte Christl. Getragen werde das österreichische Wirtschaftswachstum wie bisher vor allem von den Exporten, Sorgenkind bleibe der private Konsum.
Auf dem Arbeitsmarkt läuft es trotz Konjunkturabschwächung noch gut. Für 2008 erwartet die OeNB einen Tiefpunkt der Arbeitslosenrate von 4,2 Prozent (Eurostat-Definition) nach 4,3 Prozent 2007 und 4,7 Prozent 2006. Für das Jahr 2009 wird wieder ein leichter Anstieg auf 4,3 Prozent prognostiziert. Mit diesem Wert liege man in Nähe der Vollbeschäftigung, so OeNB-Direktor Christl.
Ebenfalls stabile, wenn auch leicht nach unten korrigierte Werte für Österreich prognostiziert die Pariser Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD): Für 2008 und 2009 wird ein solider BIP-Anstieg von jeweils 2,5 Prozent (2,6 Prozent) vorhergesagt. ■

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Arbeitslosigkeit sinkt weiter

Im November ist die Arbeitslosigkeit in Österreich zum 21. Mal in Folge gesunken: Zu Monatsende waren 223.610 Jobsuchende vorgemerkt, um 3,5 Prozent weniger als im November des Vorjahres. Gleichzeitig stieg die Zahl der gemeldeten offenen Stellen um 2,7 Prozent auf 33.280. ■

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Kanzler Gusenbauer: Positive Wirtschaftsentwicklung ausbauen

Anlässlich der Ernennung neuer Mitglieder für die bei der „Statistik Austria“ eingerichtete Wirtschaftskurie am 12. Dezember betonte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Österreichs Unternehmerinnen und Unternehmer würden einen entscheidenden Beitrag zur starken Wirtschaft des Landes leisten.
Die österreichische Wirtschaft wachse derzeit stärker als der Durchschnitt der Eurozone, bei den Arbeitslosenzahlen verzeichne man die stärkste Reduktion seit 25 Jahren. „Österreich ist heute an vierter Stelle im EU-Vergleich der Wirtschaftskraft pro Kopf. Eine weitere Verbesserung unserer Position zeichnet sich bereits ab“, so Gusenbauer. Dies sei ein gemeinsamer Erfolg der heimischen Wirtschaft und Politik. In Zukunft werde es verstärkt darum gehen, dass sich Österreich von einem „Technologienehmer“ zu einem „Technologiegeber“ entwickle. Dieser „qualitative Sprung“ sei eine große Herausforderung. Die Bundesregierung habe daher vor kurzem einen Innovationsgipfel zur Forcierung von Forschung und Entwicklung durchgeführt. „Dies ist unsere einzige Chance, um im internationalen Wettbewerb dauerhaft bestehen zu können“, sagte der Bundeskanzler. ■

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Steuerbonus für Öko-Autos

Die Reform der Normalverbrauchsabgabe (NoVA; Koppelung des Steuersatzes an den Spritverbrauch) hat am 5. Dezember den Ministerrat passiert. Die Ökologisierung sieht ab Juli 2008 ein Bonus-Malus-System für Neuwagen vor und soll damit stärkere steuerliche Anreize zum Neuerwerb besonders klimafreundlicher Pkw bieten.
Fahrzeuge mit über 180 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer zahlen einen Malus von 25 Euro pro Gramm über diesem Grenzwert, bei Pkw unter 120 Gramm CO2-Emmission gibt es einen Bonus von 300 Euro. Ab Jänner 2010 wird ein Malus von 25 Euro bereits für Fahrzeuge ab 160 Gramm pro Kilometer fällig. ■

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Wien: Posthume Auszeichnung für Hrant Dink im Bundeskanzleramt

Hrant Dinks Witwe Rakel konnte am Tag der Menschenrechte gleich zwei hochrangige Preise im Wiener Bundeskanzleramt entgegen nehmen: Den PaN (Partner aller Nationen)-Jubiläumspreis, der vom Dachverband der österreichisch-ausländischen Gesellschaften gestiftet wird, und den Preis des International Press Institute, das Hrant Dink als „World Press Freedom Hero 2007“ auszeichnet.
Der türkisch-armenische Journalist, Chefredakteur der zweisprachigen Tageszeitung „Agos“, wurde im Jänner 2007 in Istanbul vor seiner Redaktion auf offener Straße ermordet. In seinen Arbeiten, Essays und Kommentaren schrieb er häufig über armenische Geschichte, so über die offiziell weitgehend geleugnete Vertreibung und Ermordung von mehr als einer Million in der Türkei lebenden Armeniern während des Ersten Weltkriegs. Dies bescherte ihm zahlreiche Gerichtsprozesse, ehe er von Nationalisten ermordet wurde.
In ihrer Rede betonte Heidrun Silhavy, Staatssekretärin für Regionalpolitik und Verwaltungsreform, die Rakel Dink im Namen von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer den Preis überreichte, die Notwendigkeit eines verbesserten Minderheitenschutzes in der Türkei. Ein Paragraph im Strafgesetzbuch, der Kritiker wegen „Beleidigung des Türkentums“ vor den Richter bringe, sei eines zivilisierten Staates unwürdig. Freilich müsse auch gesagt werden, dass „die Türkei ein Land ist, in dem demokratische Wahlen stattfinden und der Einfluss des Militärs zurückzugehen scheint“. Im Zusammenhang mit den EU-Beitrittsbestrebungen Ankaras meinte Silhavy, ein „Gradmesser“ für die Türkei werde sein, wie die parlamentarische Mehrheit zu den ethnischen und religiösen Minderheiten stehe. Die Leugnung des armenischen Völkermordes, gleichsam ein Symbol für die ungelösten strukturellen Menschenrechts- und Minderheitenprobleme, sei eines der Haupthindernisse für die Annäherung der Türkei an Europa. „Mit der Verleihung der Preise an Rakel Dink am Tag der Menschenrechte hoffe ich einen Beitrag zu leisten, dass sich das Heimatland von Rakel und Hrant Dink in eine humanere Zukunft bewegt“, sagte die Staatssekretärin.
Rakel Dink dankte für den „erwiesenen Respekt, der tröstlich und ermutigend“ sei. In der „Hrant-Dink-Stiftung“ werde man sich bemühen, „seine Ideale am Leben zu erhalten“. Arat Dink, ein Sohn des Paares, ebenfalls Redakteur von „Agos“, befindet sich gegenwärtig im Ausland bei Verwandten – nach einer Verurteilung gemäß dem umstrittenen Straf-Paragraphen. Ihr Sohn werde aber wieder in die Türkei zurückkehren, so Rakel Dink zur Austria Presse Agentur (APA).
Dank wurde bei dem Festakt auch dem Dachverband PaN und namentlich dessen Präsidenten Claus Walter ausgesprochen, der sich für die Verleihung des Jubiläumspreises für Hrant Dink und dessen Sache eingesetzt hat. 50 Vertreter von Auslandsgesellschaften wohnten der berührenden Feier bei.
PaN steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Heinz Fischer und umfasst mittlerweile 112 Freundschaftsgesellschaften – die erste, die österreichisch-sowjetische, entstand im Juni 1945 –, die den „Dialog der Religionen und Kulturen“ pflegen, so Silhavy. Der Wiener Altvizebürgermeister Sepp Rieder, Präsident der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft, unterstrich das Bekenntnis der PaN-Mitglieder zur UN-Menschenrechtscharta, deren Stellenwert gerade „mit dem Sinken der diplomatischen Schönwetterlage“ wachse. ■

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Wien: Peter Handke von Bundespräsident Heinz Fischer empfangen

Peter Handke, der bedeutendste österreichische Schriftsteller der Gegenwart, auch als Übersetzer, Filmregisseur und Drehbuchautor überragend, umstritten wegen seiner Sicht des Ex-Jugoslawien-Konflikts, feierte am 6. Dezember seinen 65. Geburtstag. Dies war für Bundespräsident Heinz Fischer Anlass, den von ihm geschätzten Autor am 10. Dezember zu einem Frühstück in die Wiener Hofburg zu laden. Der in der Pariser Banlieue, in Chaville, Lebende war möglicherweise aber noch aus anderen Gründen in Wien. Vor kurzem hat die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) mit Unterstützung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur Handkes „Nachlass zu Lebzeiten“ erworben – handschriftliche Werkmanuskripte, Notizen, Materialsammlungen der vergangen zwei Jahrzehnte, u.a. zu seinem Roman „Mein Jahr in der Niemandsbucht“.
Auch am Wiener Burg- und Akademietheater wurde Handke geehrt: An der Akademie spielt man „Die Spuren der Verirrten“ und gab zum letzten Mal den „Untertagsblues“; im Kasino lasen Kirsten Dene und Markus Meyer aus „Wunsch¬loses Unglück“, die Band „Kante“, die schon mehrmals Musik zu Handkes Stücken beisteu¬erte, gab anschließend ein Konzert.
Noch bis 7. Jänner läuft im Filmarchiv Austria eine Filmschau, die Peter Handke, Wim Wenders und Erika Pluhar gewidmet ist.
Im Wiener Radio-Kulturhaus des ORF wurde ein Interview-Buch mit einem Gespräch zwischen Handke und Michael Kerbler präsentiert.
Von dem offensichtlich unentwegt schreibenden Autor erscheinen im Frankfurter Suhrkamp-Verlag gleich mehrere Bücher, so „Die Morawische Nacht“. Dieser Roman ist eine Abwandlung von „TausendundeineNacht“, in der einander „Menschen am Ufer eines Flusses erzählen, was war und was sein wird“, so der Autor. Weiters „Meine Ortstafeln – Meine Zeittafeln“, gesammelte politisch-gesellschaftliche Äußerungen, und „Leben ohne Poesie“, Gedichte aus vier Jahrzehnten. ■

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Österreichische Wissenschafts- und Bildungsfilme ausgezeichnet

Im Rahmen eines viertägigen Europäischen Festivals des Bildungs- und Wissenschaftsfilms in Wien sind vier Filme ausgezeichnet worden. Den Hauptpreis „Bester wissenschaftlicher Film“ erhielt der Däne Lars Becker-Larsen für „The Copenhagen Interpretation“, der den philosophischen Streit beschreibt, den Niels Bohrs Theorie auslöste. Der dänische Forscher behauptete – hier stark vereinfacht: Wir können die Welt nur sehen, wenn wir sie vermessen. Einzigartiges Archiv-Material und Interviews mit führenden Physikern, u.a. dem Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger, bilden das Gerüst des Films. Als „Bestes wissenschaftliches Thema“ wurde eine Zusammenschau von Psychoanalyse und Kino bewertet. Julia Riedhammer aus Berlin zeigt in ihrem Film „Licht in dunklen Räumen. Psychoanalyse und Kino“ Aufnahmen vom Beginn des 20. Jahrhunderts, in denen Träume visualisiert wurden.
Auch zwei österreichische Arbeiten konnten vor der Jury reüssieren: In der Kategorie „Bester unabhängiger Film“ wurde Clara Lehnfeld ausgezeichnet. In ihrem Streifen „Der Beobachter und seine Realität“ erklärt sie das Verhalten von Quanten. Als „Bester Bildungsfilm“ wurde „Die Reise zur Wiege Europas“ von Petrus van der Let prämiert. Seine filmische Expedition zu den Mythen Homers enthüllt auch ein spannendes Kapitel österreichischer Archäologie-Geschichte. Für den Wettbewerb waren 16 Filme aus mehr als 40 Einreichungen aus ganz Europa nominiert. 2008 wird das Festival wieder in der letzten Novemberwoche stattfinden. ■

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Uni Wien: Mikrobiologin Renee Schroeder zur Professorin ernannt

Nun hat die Wiener Mikrobiologin Renee Schroeder die von ihr mehrmals kritisierte „gläserne Decke“, die Frauen in ihrer wissenschaftlichen Karriere behindere, doch noch durchbrochen: Sie wurde unbefristet zur Professorin für RNA-Biochemie am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Wien berufen. Schroeder war seit 1995 außerordentliche Professorin und erhielt 2006 eine befristete Vertragsprofessur.
Renee Schroeder, geboren 1953 in Brasilien, Trägerin des Wittgenstein-Preises 2003, ist seit 2005 Leiterin des Departments für Biochemie der Max F. Perutz Laboratories der Uni Wien und Vizepräsidenten des Wissenschaftsfonds FWF. Im Mittelpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeit steht die RNA, ein dem Träger der Erbinformation DNA ähnliches Molekül (im Gegensatz zur zweisträngigen DNA ist RNA nur einsträngig), das in der Zelle für die Umsetzung von genetischer Information in Proteine verantwortlich ist.
Im Übrigen ist es Anfang Dezember an der Universität Wien einer zweiten Frau gelungen, die „gläserne Decke“ zu durchbrechen: Die 1972 in Graz geborene Juristin Brigitta Jud trat eine Professur für Zivilrecht an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät an. ■

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Düsterer Ennio Morricone und sein Orchester begeistern Wien

Der Ehren-Oscar für sein Lebenswerk war längst überfällig: Im Februar 2007 hat ihn der 79-jährige italienische Komponist Ennio Morricone erhalten. Über 500 Soundtracks für Filme hat er komponiert, sie geben vielen von ihnen – darunter Meisterwerken von Sergio Leone, Pier Paolo Pasolini oder Bernardo Bertolucci – ein ganz spezielles Flair.
In der Wiener Stadthalle dirigierte der elegante Maestro aus Rom ein Potpourri seines großen Werkes. Das Orchester, die Roma Sinfonietta, umfasste 120 Musiker. Neben einer großer Streicher- und Bläsergruppe fanden sich etwa auch zwei Harfen, Marimba, Piano, Keyboard, Schlagzeug, sowie E- und Bass-Gitarre auf der Bühne, zeitweise ergänzt durch einen 80-köpfigen Chor. Da wechselten wuchtige Crescendi mit swingenden Jazzelementen – etwa bei der Musik zu „Once Upon a Time in America“. Kaum ein anderer Komponist der Gegenwart wagt in der Absoluten Musik seit der Spätromantik einen derartigen Stil. Gegenüber der Wiener Kulturzeitschrift „Falter“ sagte Morricone: „Wenn ich Werke anderer Komponisten dirigieren würde, wäre sicherlich Johann Strauß dabei. Auch Schönberg, Webern und Alban Berg“.
Zu seinem Begräbnis würde sich der düstere Mann das Finale seiner Filmmusik zu Roland Joffés „Mission“ (mit Robert De Niro und Jeremy Irons) wünschen.
Die 7.000 Zuhörer bei Morricones erstem und einzigem Konzert in Wien zeigten sich total begeistert – und der Maestro schien zu lächeln. ■

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Böll-Preis an Christoph Ransmayr

Der in Wels (Oberösterreich) geborene Autor Christoph Ransmayr, 53, wurde in Köln mit dem Heinrich Böll-Preis ausgezeichnet. Die Jury würdigte sein „in der deutschen Literatur unvergleichliches ästhetisches Formbewusstsein, das keiner literarischen Mode zuzuordnen ist und dennoch eine breite Leserschaft in den Bann zieht“. Seine Dankesrede nützte Ransmayr dazu, um „ganz in der Tradition Heinrich Bölls“ Fragen nach der Rechtfertigung des Irak-Krieges und den Motiven von US-Präsident George W. Bush zu stellen. Die Laudatio hielt Sigrid Löffler. Der Heute in West Cork (Irland) Lebende gilt als einer der großen Schriftsteller seiner Generation: Sein fulminanter erster Roman „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ (1984) schilderte die österreichisch-ungarische Polarexpedition unter Payer und Weyprecht. Mit dem Ovid-Roman „Die letzte Welt“ (1988) wurde er zu einem „führenden Autor der Postmoderne“ – so die Jury des Bertolt Brecht-Preises. Mit seinem Roman „Der fliegende Berg“ (2006) führt er die Leser nicht nur in seine irische Wahlheimat, sondern auch nach Tibet. ■

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Wien: COOP HIMMELB(L)AU im MAK

Im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK) wurde mit über 2.300 Besuchern – allen voran Bundespräsident Heinz Fischer und seine Frau Margit – die Ausstellung „COOP HIMMELB(L)AU. Beyond the Blue“ eröffnet. Es ist die bislang umfangreichste museale Präsentation des weltweit agierenden Architektenteams und stellt nach den Zaha Hadid- und Peter Eisenman-Ausstellungen einen weiteren Höhepunkt im Rahmen des Architekturschwerpunktes des Museums dar. Auf einem überdimensionalen Modelltisch werden ca. 306 Architekturmodelle zu rund 115 exemplarisch ausgewählten internationalen Projekten gezeigt, die in ihrer Gesamterscheinung an ein gewachsenes Stadtgefüge erinnern. Der Focus liegt hierbei auf aktuellsten Projekten wie der kürzlich fertig gestellten BMW Welt, München (2001-2007), dem Musée des Confluences, Lyon (2001-2010), und der Europäischen Zentralbank, Frankfurt am Main (2003-2011). ■

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Hohe Auszeichnung für Peter Rosei

Mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ist der Schriftsteller Peter Rosei, 61, ausgezeichnet worden. Die Laudatio hielt Thomas Rothschild. Kulturministerin Claudia Schmied meinte, die Ehrung sei „kein Endpunkt, sondern soll als ein neuer Höhepunkt durch die Wertschätzung der Öffentlichen Hand verstanden werden“. Rosei zählt mit 25 Romanen zu den wichtigsten österreichischen Autoren der Gegenwart. „Wer war Edgar Allen?“ wurde von Michael Haneke verfilmt. Als bedeutendstes Werk gilt „Wien Metropolis“ (2005). ■

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Austrian World Music Award 2007

Die in Wien lebende rumänische Sängerin Claudia Cervenca, der Wiener Jazz-Perkussionist Uli Soyka und der Kontrabassist Karl Sayer – die drei gründeten das Trio "Troica" – wurden von einer hochkarätig besetzten Jury mit dem „Austrian World Music Preis 2007“ des „Festivals der Klänge“ ausgezeichnet. ■

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EM mit Markus Rogan & Co: Österreichische Schwimmer magisch

Mit einem Europarekord und fünf österreichischen Medaillen ging die 11. Kurzbahn-Europameisterschaft der Schwimmer im ungarischen Debrecen zu Ende. Für den Österreichischen Schwimmverband (OSV) war es mit fünf Medaillen - einmal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze - die zweiterfolgreichste Kurzbahn-EM nach 2004. Die heimischen Medaillengewinner waren Markus Rogan (Gold – 200 m Rücken, Silber – 100 m Rücken), Mirna Jukic (Silber - 100 m und 200 m Brust) und Fabienne Nadarajah (Bronze - 50 m Rücken). Mit dem Abschneiden bei diesen Titelkämpfen sehr zufrieden konnten auch die anderen OSV-Schwimmer sein. Dreizehnmal erreichten heimische Athletinnen und Athleten in Ungarn das Finale und stellten 15 nationale Rekorde auf - darunter der Europarekord von Markus Rogan über 200 m Rücken. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka gratulierten den Schwimmerinnen und Schwimmern zu ihren Einzelerfolgen und dem Österreichischen Schwimmverband für die erfolgreiche Arbeit, die in einer mannschaftlich geschlossenen Leistung zum Ausdruck kam. ■

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Weltrekord von Thomas Morgenstern im Skispringer-Weltcup

Doppel-Olympiasieger Thomas Morgenstern sorgt im Springer-Weltcup weiter für Furore. Auf der Normalschanze in Villach feierte er einen Doppelsieg und erzielte damit einen Weltrekord. Er hat als erster Skispringer der Weltcupgeschichte die ersten fünf Saison-Bewerbe in Folge gewonnen. Siege in den ersten fünf Bewerben waren in den 28 Weltcup-Saisonen zuvor noch keinem Athleten gelungen. Fünf Siege in Folge haben bisher Andreas Goldberger, Adam Malysz und Sven Hannawald erreicht. Den absoluten Rekord von sechs Siegen in Folge halten die Finnen Janne Ahonen und Matti Hautamäki seit der Saison 2004/05. ■

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Verdoppelung der Mittel im Anti-Doping-Kampf ab 2008

Die jüngsten Berichte über einen neuen österreichischen Doping-Fall zeigen wie notwendig die Verdoppelung der Mittel im Kampf gegen Doping ist. Die Neuorganisation der unabhängigen Dopingkontrolleinrichtung NADA Austria ist eine der zentralen Aufgaben im Sport im kommenden Jahr. Die neue nationale Anti-Doping Agentur steht für mehr Kontrollen, Aufklärung und Prävention im Kampf gegen Doping. Durch die Organisation als gemeinnützige von den nationalen Verbänden unabhängige Ges.m.b.H. mit einer Geschäftsführung in der operativen Leitung ist eine effiziente Arbeit gewährleistet. Ergänzt wird diese Organisation durch eine Rechts-, Medizin- und Ethik-Kommission. Insgesamt stehen dem Anti-Doping-Kampf ab 2008 statt bisher 500.000 Euro über eine Million Euro zur Verfügung. Mit dem neuen Anti-Doping-Gesetz und der neuen Anti-Doping-Agentur intensiviert die österreichische Bundesregierung den Kampf gegen Doping glaubhaft und nachhaltig. Ziele des neuen Anti-Doping-Gesetzes sind eine verstärkte Prävention, die Optimierung der Verfahren und die Stärkung der Anti-Doping-Behörde. Österreich hat die UNESCO-Konvention gegen Doping im Sport und mit ihr den WADA-Code im Juni 2007 ratifiziert. ■

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Fans sind das Herzstück der EURO

Die Fußball-Fans sind das Herzstück der UEFA EURO 2008, daher wird seitens des Bundeskanzleramtes Staatssekretariat für Sport in der Vorbereitung großen Wert auf eine professionelle Fanbetreuung gelegt. Das „FairPlay“-Projekt am Wiener Institut für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit, dass die „Fanbotschaften“ während der EURO koordiniert, hat sich über Jahre hinweg als Vorreiter in der Rassismus-Bekämpfung und der professionellen Fanbetreuung etabliert. FairPlay-vidc erhält von der UEFA für die Fanarbeit und für Anti-Rassismus-Projekte in Österreich und der Schweiz während der EURO insgesamt 1,1 Millionen Schweizer Franken. Das Bundeskanzleramt fördert „FairPlay“ in Österreich mit zusätzlichen 300.000 Euro. ■

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